Streit um personalisierte Tickets – Wacken Open Air kippt altes System

Ob beim Robbie Williams Konzert oder bei der Fußball-WM – personalisierte Tickets werden immer häufiger verwendet. Die Karte mit dem eigenen Namen soll den Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt eindämmen. Doch in der Festival- und Konzertbranche tut man sich nach wie vor schwer mit der Idee. Mitnichten sind alle überzeugt von dem System.

Credits: By Sean MacEntee (http://www.flickr.com/photos/smemon/4489539810/) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

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Das Wacken Open Air, eines der größten Festivals in Deutschland, vertrieb die letzten zwei Jahre personalisierte Tickets – das bedeutete zwar einen enormen administrativen Aufwand, jedoch waren die Veranstalter fest von dem Konzept überzeugt. Für 2015 haben sich die Veranstalter jedoch entschieden, das System wieder abzuschaffen.

Juristische Streitigkeiten mit Ebay

Ein Grund für die Rückkehr zu nicht-personalisierten Tickets durch die Wacken-Veranstalter ist ein Rechtsstreit mit Ebay. Der Verkauf von personalisierten Tickets über die Plattform ist nicht legal, und die Kunden können teilweise mit den teuer erworbenen Karten die Veranstaltung letztlich nicht besuchen. Dennoch blüht bei Ebay der Handel mit den Tickets.

Die Karten für Wacken 2015 waren bereits kurz nach Ende des diesjährigen Festivals in Rekordzeit verkauft: 75 000 Tickets gingen innerhalb von 12 Stunden weg. Doch offensichtlich ergatterten nicht nur treue Fans die Karten, sondern Händler, die die Tickets auf Ebay zu horrenden Preisen weiterverkaufen. Kostete das Ticket ursprünglich 170€, liegt jetzt der Preis bei Ebay bei knapp 300€.

Umständlichkeit schreckt jedoch ab

Gegner des Konzepts monieren allerdings, dass es den Festivalveranstaltern prinzipiell egal sein könnte, ob ihre Fans zu viel bezahlen – anscheinend sind sie dazu bereit. Die personalisierten Tickets verkomplizieren nämlich auch einiges: Der Weiterverkauf des Tickets, wenn der Termin doch nicht wahrgenommen werden kann, ist nur selten möglich.

In manchen AGBs ist ein Rückgaberecht verankert, und andere Veranstalter geben die Möglichkeit zur Umpersonalisierung. Allerdings ist dies durchaus mit einigem Aufwand für den Benutzer verbunden. Auch die Fan-zu-Fan-Tauschbörse des Wacken Open Airs schien dies nicht leichter gemacht zu haben, stattdessen kam es zu Missverständnissen und sogar Missbrauch des Systems.

Die Veranstalter des Festivals resümieren auf ihrer Website:

„Wir wollen euch keinen hohen Aufwand zumuten, vor allem wenn er in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. […] Wenn darüber hinaus sogar die Rechtsprechung […] gegen uns steht, müssen wir einsehen, dass zwar der Grundgedanke gut und richtig war, sich die Ticketpersonalisierung für euch und uns aber als nicht praktikabel erwiesen hat.“

Der Ausgang des Verfahrens zwischen dem Wacken Open Air und Ebay ist noch abzuwarten, jedoch hat in einem Präzedenzfall ein Fußballverein der Bundesliga vor dem Oberlandesgericht Hamburg einen Prozess zum selben Streitpunkt bereits verloren.

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